Verzeichnis wichtiger Begriffe und Namen

Abkürzungen

ApU
Altpreußische Union
BBKL
Biblisch-biographisches Kirchenlexikon
BK
Bekennende Kirche
D.
Doktor der Theologie
DC
Deutsche Christen
DEK
Deutsche Evangelische Kirche
EKD
Evangelische Kirche in Deutschland
EKiR
Evangelische Kirche im Rheinland
EOK
Evangelischer Oberkirchenrat
ev.
evangelisch
Gestapo
Geheime Staatspolizei
HJ
Hitler-Jugend
Lic.
Lizentiat, theologischer Doktorand
LKA
Landeskirchenamt
MEKGR
Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlands
NS
Nationalsozialismus
NSDAP
Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei
OKR
Oberkirchenrat
RKZ
Reformierte Kirchenzeitung
SA
Sturmabteilung der NSDAP
SS
Schutzstaffel
SVRKG
Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte

Begriffe und Namen

Altpreußische Union (ApU)
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen verfügte 1817 in seinem Reich die Union der lutherischen und reformierten Gemeinden. Als oberster Bischof der Kirche bestimmte der König, seit 1850 durch den Ev. Oberkirchenrat, die Geschicke der Ev. Kirche in den alten, vor 1866 zu Preußen gehörenden Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, (Ost)Preußen, Provinz Sachsen, Schlesien, Rheinprovinz und Westfalen. Nach dem Ende der Monarchie 1918 organisierten sich die preußischen Provinzialkirchen durch eine gemeinsame Verfassung als Ev. Kirche der ApU. Nach 1945 entstanden aus den einzelnen Provinzialkirchen selbständige Landeskirchen, wobei das Gebäude der Ev. Kirche der ApU noch bestehen blieb. Die Verfassung dieser Kirche von 1951 bildete die juristische Klammer der in DDR und BRD getrennten Gemeinden. 1968 wurden die Verfassungsorgane (Synode und Rat) in Ost- und Westsektionen aufgeteilt. Sie wurden nach 1989 wieder zusammengeführt. Heute gehört die Kirche der Union zur Union evangelischer Kirchen.
Arierparagraph
Mit Hilfe des "arischen Abstammungsnachweises" strebte das NS-Regime die Verdrängung von Deutschen jüdischer Herkunft aus dem öffentlichen Leben an. 1933/1934 wurden Arierparagraphen in verschiedene Gesetze eingefügt und bestimmten 1935 die "Nürnberger Gesetze", die die extreme Verfolgung der Juden einleiteten. Die nazifizierten Kirchenleitungen übernahmen den Arierparagraphen in ihre Gesetzgebung und überließen Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter jüdischer Herkunft schutzlos der NS-Verfolgung. Der Pfarrernotbund protestierte schon 1933 dagegen im Namen von über 2.000 Pfarrern mit einem Flugblatt.
Barmer Theologische Erklärung ("Barmen")
In der 1934 auf der ersten Bekenntnissynode entstandenen, von Karl Barth wesentlich geprägten Theologischen Erklärung wurde die Bibel in Abwehr der DC-Theologie ("Irrlehre") als einzige Quelle der Offenbarung und das kirchliche "Führerprinzip" als unreformatorisch bezeichnet. Im Blick auf das NS-Regime hieß es: "Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen." Nach 1945 wurde die Barmer Theologische Erklärung in der EKiR und einigen anderen Landeskirchen Teil des Ordinationsgelübdes für Pfarrer und - seit den siebziger Jahren - Pfarrerinnen.
Barth, Karl
Schweizer reformierter Theologe, geb. 10.5.1886 Basel, gest. 10.12.1968 Basel. 1911 Pfarrer in Safenwil (Aargau). 1921 Professor in Göttingen, 1925 in Münster, 1930 in Bonn. In seiner Theologie hielt er gegenüber den DC an der Bibel als einziger Offenbarungsquelle fest und lehnte den totalitären Machtanspruch des NS-Regimes kompromisslos ab. Eine standhafte Minderheit der BK folgte dem "Vater der Bekennenden Kirche". 1935 wurde der weltberühmte Theologe, Sozialdemokrat und Antifaschist vom NS-Regime in die Schweiz ausgewiesen und Professor in Basel. Nach 1945 wurde er in der EKiR aufgrund seines Werks eine Art "rheinischer Kirchenvater".
Bekennende Kirche (BK)
Seit 1933/1934 die Bewegung innerhalb der evangelischen Kirche, die den nationalsozialistisch geprägten DC sowie der Unterdrückung der Kirche durch den NS-Staat entgegentrat. Bekennende Gemeinden entstanden in allen Teilen Deutschlands. Sie wandten sich insbesondere gegen den Arierparagraphen im Raum der Kirche, die Abschaffung des Alten Testaments und die Einschränkung kirchlicher Arbeit durch den NS-Staat. Auf der zweiten Bekenntnissynode in Dahlem wurde ein Notkirchenregiment begründet. Für den Bereich der "zerstörten Kirchen" wurden Bruderräten die Aufgaben der Kirchenleitung übertragen. Der Rechtsanspruch der am NS-Führerprinzip orientierten und von den DC geprägten "Deutschen Evangelischen Kirche" wurde zwar besonders im Rheinland stark bestritten, der finanzielle Anspruch an das zur DEK gehörende staatstreue Konsistorium jedoch aufrecht erhalten.
Bonhoeffer, Dietrich
Ev. Theologe, Widerstandskämpfer, geb. Breslau 4.2.1906, gest. KZ Flossenbürg 9.4.1945.1927-29 Vikar in Barcelona. Nach Habilitation 1931 Studentenpfarrer in Berlin. 1933 Pfarrer deutscher ev. Gemeinden in London. Seit 1934 beratendes Mitglied des Ökumenischen Rates. Seit 1935 Leiter des "illegalen" BK-Predigerseminars in Finkenwalde/Pommern. 1940/41 Rede- und Schreibverbot. Seit 1940 im Dienst des Widerstandes in der Spionage-Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris tätig. Er kritisierte den konservativen Flügel der BK wegen seiner (kirchen-)politischen Kompromissbereitschaft und seines weit verbreiteten Schweigens ("Leisetreterei") angesichts der blutigen Verfolgung von Juden und Oppositionellen. 1943 Verhaftung. Die BK nahm Bonhoeffer auch im Rheinland nicht in ihre Fürbittenliste auf, weil sein Widerstand nicht primär christlich, sondern politisch motiviert sei. Im Februar 1945 wurde er - auch als Mitwisser des Attentats vom 20. Juli - im KZ Flossenbürg ermordet. Nach 1945 wurde er - ähnlich wie Martin Niemöller - allmählich auch in der Kirche als Widerstandskämpfer anerkannt. Unter Berufung auf beide entstand die Legende von der Kirche als "Widerstandsbewegung".
Bruderräte
In den "zerstörten Kirchen" übernahmen Gemeinde- und Lan-des-Bruderräte sowie auf Reichsebene der Reichsbruderrat gegenüber deutsch-christlichen Gemeindevorständen und Kirchenbehörden kraft kirchlichen Notrechts kirchliche Funktionen. Aufgrund der Aufspaltung der BK verlor der Reichsbruderrat seine Funktionen. An seine Stelle trat die Konferenz der Landes-bruderräte als Koordinations- und Informationsinstanz.
Bruderschaft rheinischer Hilfsprediger und Vikare ("Junge Brüder")
Ein Zusammenschluss junger Theologen im Rheinland, die das Konsistorium als Kirchenleitung ablehnten und nur den BK-Bruderrat als Leitungsorgan anerkannten. Sie wurden nach ihrem Zweiten Examen, das sie vor dem Prüfungsausschuss der BK ablegten, nicht vom Konsistorium als Pfarrer bestätigt noch besoldet, sondern arbeiteten als Pastoren in BK-Gemeinden "illegal".
Coetus reformierter Prediger
Der von dem Barmer Pfarrer Karl Immer im September 1933 gegründete Pfarrerbund, der neben dem Pfarrernotbund Martin Niemöllers am entschiedensten die radikale Linie der BK vertrat.
"Dahlem"
Nach reichskirchlichen Übergriffen proklamierte die 2. Bekenntnissynode der DEK im Oktober 1934 in Berlin-Dahlem das "kirchliche Notrecht" und vollzog die Trennung von der Reichskirchenregierung. Diese habe "unter Berufung auf den Führer und unter Heranziehung und Mitwirkung politischer Gewalten rücksichtslos ihr kirchenzerstörendes Werk fortgesetzt". Als neue Leitungsorgane schuf die Synode den Bruderrat der DEK (Reichsbruderrat) und aus seiner Mitte einen sechsköpfigen geschäftsführenden Rat. Hitler, offiziell informiert, reagierte diplomatisch und empfing lutherische Bischöfe, die mit ihren Anhängern entgegen den "Dahlemer" Beschlüssen im November 1934 die Bruderrats-Leitung durch eine stärker bischöflich orientierte "Vorläufige Kirchenleitung" der DEK ersetzten. Sie steuerte in der Folgezeit einen immer kompromissbereiteren Kurs und trat 1936 wegen Differenzen mit den Bruderräten zurück.
Deutsche Christen (DC)
Nach der 1927 in Thüringen entstandenen "Kirchenbewegung D.C." strebte die unter NSDAP-Einfluss entstandene "Glaubensbewegung D.C." seit 1932 kirchenpolitische Macht an, auch im Rheinland durchaus mit Erfolg. Bei den Kirchenwahlen im Juli 1933 siegte sie in den meisten Landeskirchen, auch in der ApU, und besetzte die kirchenleitenden Positionen. Als ihr extremer Flügel im Herbst 1933 das Alte Testament aus der Kirche entfernen und den Arierparagraphen für Kirche und Pfarrerschaft durchsetzen wollte, verlor sie an Einfluss, behielt aber in vielen Leitungsorganen ihre Machtpositionen.
Deutsche Evangelische Kirche (DEK, Reichskirche)
Sie entstand 1933 aus dem 1922 gebildeten "Deutschen Evangelischen Kirchenbund", einem Zusammenschluss von 28 ev. Landeskirchen. Unter dem Einfluss der DC stellte sie den Versuch dar, mit den Methoden der nationalsozialistischen Gleichschaltung eine einheitliche "Reichskirche" nach dem "Führerprinzip" zu schaffen. Ihre Organe waren der Reichsbischof, ein geistliches Ministerium, die Nationalsynode und die Kirchenkanzlei. Die Landeskirchen setzten jedoch den Erhalt ihrer Eigenständigkeit durch.
Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)
1948 aus der Ev. Kirche der Rheinprovinz als einer der sieben Provinzialkirchen der ApU entstandene selbständige Landeskirche mit ca. drei Millionen Mitgliedern und einer presbyterial-synodalen Verfassung.
Evangelischer Oberkirchenart (EOK)
Leitungsorgan der Ev. Kirche der ApU. Seit den Kirchenwahlen vom Juli 1933 von den DC dominiert. Präsident des EOK von 1933-1945 war Dr. iur. Friedrich Werner.
Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums
Es ermöglichte seit 1933 die Entfernung politisch oppositioneller und jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst.
Gleichschaltung
Ablösung der Führungskräfte wichtiger Organisationen in der Gesellschaft und Ersetzung durch Mitglieder der NSDAP oder ihre Übernahme in Parteiorganisationen, um der Partei eine totale Kontrolle aller gesellschaftlichen Kräfte zu ermöglichen. Die Gleichschaltung der Kirchen gelang nicht.
Heimtücke-Gesetz
Mit dem "Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform" vom 20.12.1934 konnte jede Kritik des Staates und der Partei mit harten Strafen verfolgt werden. Es öffnete dem Denunziantentum mit Lügen und Verleumdungen Tür und Tor. Sondergerichte zur Aburteilung aller durch das Gesetz geschaffenen Straftaten wurden eingerichtet.
Himmler-Erlaß
Vom Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler (1900-1945), am 29. August 1937 verfügtes Verbot der Lehr- und Prüfungseinrichtungen der BK. Die Prüfungen wurden bis zum Sommer 1941 heimlich fortgesetzt.
Kirchenausschüsse
Vom NS-Staat in den zerstörten Kirchen eingesetzte Gremien zur Leitung der Kirche mit dem Versuch, die Spaltung der DEK (BK und DC) zu überwinden. Da in ihnen auch anerkannte und bewährte Theologen, die nicht zu den DC gehörten, mitarbeiteten, zerbrach an der unterschiedlichen Bewertung dieser Ausschüsse die Einheit der BK. Während eine Mehrheit die Mitarbeit bejahte, blieb - auch im Rheinland - eine radikale Minderheit in Opposition. Die Kirchenausschüsse scheiterten 1937 daran, dass es ihnen nicht gelang, die DEK zu einigen.
Kirchenkampf
Die auf Entchristlichung des öffentlichen Lebens zielenden Unerdrückungsmaßnahmen des NS-Regimes und die (Kirchen-)politik staatstreuer Kirchenbehörden führte 1933/1934 zur Bildung der BK, die zunächst primär um die Eigenständigkeit der Kirche und die Wahrung ihres Bekenntnisses kämpfte. Sie wurde bedrängt durch Inhaftierung von Pfarrern, Professoren und engagierten Gemeindegliedern, Redeverbote, Hausdurchsuchungen, Behinderung kirchlicher Presse und Überwachungen von Veranstaltungen der BK. Erst allmählich rang sich eine BK-Minderheit unter dem Einfluss von Karl Barth auch im Rheinland über kirchliche Proteste hinaus zu begrenzter, theologisch und politisch begründeter Widersetzlichkeit durch. Konservative, vor allem lutherisch-konfessionelle Kräfte, die trotz NS-Diktatur auf den "Gehorsam gegenüber der Obrigkeit" fixiert blieben, verurteilten den christlich-politischen Widerstand und beeinflussten mit dieser Haltung auch die Kirche der Nachkriegszeit.
Konsistorium
Seit preußischer Zeit eine staatlich kontrollierte Behörde für die Verwaltung kirchlicher Angelegenheiten. Sie setzte sich zusammen aus dem Generalsuperintendenten, dem rechtskundigen Konsistorialpräsidenten sowie geistlichen und weltlichen Mitgliedern (Konsistorialräten und Oberkonsistorialräten). Das Konsistorium wurde wegen seiner staatskirchlichen Ausrichtung von der Mehrheit der BK nicht anerkannt. Nach 1945 wurde es unbeschadet mancher Kontinuitäten durch das Landeskirchenamt ersetzt.
Niemöller, Martin
Ev. Theologe, geb. 14.1.1892 Lippstadt, gest. 6.3.1984 Wiesbaden. U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg. 1931 Pfarrer in Berlin-Dahlem. 1933 gründete er in Verbindung mit Dietrich Bon-hoeffer den Pfarrernotbund. 1937-1945 war er in KZs interniert. BK-Pfarrern, die ihn im Gottesdienst in ihre Fürbitte einschlossen, für ihn die Glocken läuteten u.ä., drohte Inhaftierung und Verfolgung. Nach 1945 war Niemöller an der Neuordnung der EKD beteiligt und kämpfte gegen restaurative Tendenzen in Kirche, Staat und westlicher Welt (z.B. Wiederbewaffnung, Notstandsgesetze, atomare Aufrüstung). Von 1947 bis 1964 war er Kirchenpräsident der Ev. Landeskirche in Hessen und Nassau. 1957 wurde er Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, 1961 in Neu-Delhi einer der sechs Präsidenten des Ökumenischen Rates.
Notkirchenregiment
Die von der BK auf der Bekenntnissynode in Dahlem 1934 gegen die vom Staat anerkannten DC-Kirchen geschaffene Kirchenleitung des Reichsbruderrates bzw. Rates. Sie wurde ersetzt durch die stärker von den lutherischen Bischöfen bestimmte Erste Vorläufige Leitung der DEK. 1936 zerbrach diese Kirchenleitung an der unterschiedlichen Bewertung der Kirchenausschüsse. Die Zweite Vorläufige Leitung war stärker auf die Bruderräte konzentriert. Während in den intakten Landeskirchen die Leitungsstrukturen stabil blieben, versuchten in den "zerstörten" Landeskirchen, vor allem in der ApU, die Notkirchenregimente der BK neben den vom Staat anerkannten kirchlichen Behörden ihre Leitungsfunktionen zu behaupten. Dies gelang aber nur zum Teil, da in Rechts- und vor allem Finanzfragen die Behördenkirche entschied.
Pfarrerbruderschaft
Im Juli 1933 gegründeter Zusammenschluss von Pfarrern, die sich der DC-Agitation widersetzen. Sie bildeten den Ursprung der BK. Die illegalen Theologen und Theologinnen der BK gründeten eine Bruderschaft rheinischer Hilfsprediger und Vikare.
Pfarrernotbund
Er wurde 1933 zur Abwehr nationalsozialistisch geprägter kirchlicher Strömungen von Martin Niemöller in Verbindung mit Dietrich Bonhoeffer gegründet. Neben gegenseitiger Hilfe strebte der von einem achtköpfigen Bruderrat geführte Bund auch die Abwehr des Arierparagraphen in der Kirche an. Um den 1934 bereits über 7000 Mitglieder zählenden Bund sammelten sich an vielen Orten bekennende Gemeinden, die sich 1934 zur BK zusammenschlossen.
Presbyter
In den reformierten Gemeinden schon im 16. Jahrhundert, später in vielen Landeskirchen in den Kirchenvorstand ("Presbyteri-um") gewählte, neben den Pfarrern mit gleichem Stimmrecht versehene Gemeindeglieder.
Presbyterial-synodale Grundordnung
Die von Gemeinden und Presbyterien hin zu Synoden an die Glaubensgrundlagen gebundene, sich "von unten nach oben" aufbauende Kirchenordnung. 1934 scheiterte D. Dr. Heinrich Forsthoff (1871-1942), DC-Präses der rheinischen Provinzialsyno-de und Stellvertreter des Bischofs, mit dem Versuch, eine am NS-Führerprinzip orientierte Ordnung, die Wahlen durch "Ernennungen" ersetzt und dem Präses-Amt entgegen "parlamentarischem Geist" nahezu diktatorische Vollmacht verliehen hätte, zu oktroyieren. Durch diesen Versuch wurde der Kirchenkampf in die rheinischen Gemeinden getragen und die BK im Rheinland stabilisiert.
Protestanten
Der im 16. Jahrhundert aus reformatorischem Protest entstandene Begriff "protestantisch" ist hierzulande vor allem in den "Landeskirchen" gebräuchlich. Anders als "Freikirchen" wird ihnen aufgrund von Staats-Kirchen-Gesetzen eine öffentliche Einflussmöglichkeit - etwa in Medien oder Schulen - garantiert, die sie damit auch zu einer gewissen Loyalität verpflichtet. Protestanten, die aufgrund von im "Dritten Reich" gemachten Erfahrungen nach 1945 eine vom Staat völlig unabhängige Kirche forderten, blieben erfolglos.
Reformiert
In der Evangelischen Kirche der ApU blieben neben "unierten" Gemeinden auch "lutherische" und "reformierte" - am Schweizer Reformator Johannes Calvin orientierte - Gemeinden erhalten.
Reichskirchenregierung
Das aus dem Reichsbischof, dem geistlichen Ministerium, der Nationalsynode und der Kirchenkanzlei bestehende Regiment der DEK.
Rheinisch
"Rheinisch" wurden im Lauf der Jahrhunderte viele Gebiete zwischen Ober- und Niederrhein genannt. Für dieses Buch sind die 1815 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. festgesetzten rheinpreußischen Grenzen bestimmend, die zugleich Kirchengrenzen waren und - Bundesländer überschreitend - bis heute noch sind. Deshalb werden hier auch einige Menschen vorgestellt, deren Heimat der Hunsrück, Saarbrücken, Wetzlar oder sogar Hechingen (Synode Hohenzollern) war.
Rheinischer Rat
Das zwischen den Bekenntnissynoden und den Sitzungen des Bruderrates tagende sechsköpfige Leitungsgremium der BK im Rheinland.
"Römer 13"
Im 13. Kapitel seines "Briefes an die Römer" ermahnt Paulus die Christen in Rom, die staatliche Ordnung zum Wohl der Allgemeinheit zu respektieren. Daraus ergab sich in späterer theologischer Interpretation die Legitimierung aller bestehenden Herrschaftsverhältnisse bis hin zur Forderung des absoluten Gehorsams auch in totalitären Diktaturen. Die Barmer Theologische Erklärung widersprach dieser Irrlehre.
Solidarische Kirche im Rheinland
In der Nachfolge der "Bruderschaft rheinischer Hilfsprediger und Vikare" setzte sich die aus Theologen und Theologinnen sowie engagierten Gemeindegliedern bestehende "Kirchliche Bru-derschaft"(KB) im Rheinland in der Nachkriegszeit für eine Ü-berwindung der Ost-West-Spaltung und eine weltweite Friedensordnung ein und wandte sich gegen Remilitarisierung und Atombewaffnung. In den siebziger Jahren führten theologische Grundüberzeugungen und Kapitalismuskritik zu antirassistischer und ökologisch ausgerichteter Arbeit, später zum Engagement in der ökumenischen Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung. Seit 1983 nennt sich die KB - auch im Zuge der Überwindung männlicher Dominanz - "Solidarische Kirche im Rheinland".
Sportpalastkundgebung
Mitgliederversammlung der DC am 13.11.1933 in Berlin. Hier hielt der Gauobmann der DC von Groß-Berlin, Dr. Reinhold Krause, eine Rede, in der er das Alte Testament verunglimpfte und die "Reinigung" des Neuen Testaments von der "Sündenbock- und Minderwertigkeitstheologie des Rabbiners Paulus" forderte. Diese Rede und die Entschließung der Versammlung, die alle Forderungen der extremen DC enthielt, führte zu einem Proteststurm in der Ev. Kirche und leitete den Zerfall der "Glaubensbewegung DC" ein.
"Treueid" auf Adolf Hitler
Auf Drängen der DC verlangte der Evangelische Oberkirchenrat in Berlin ab 20. April 1938 ("Führers Geburtstag") von allen Pfarrern eine solche Eidesleistung. Die 7. Rheinische Bekenntnissynode lehnte sie im Mai als nicht vom Staat gefordert ab. Doch die 6. Bekenntnissynode der Ev. Kirche der ApU folgte im Juni dem Beispiel der meisten deutschen Landeskirchen und sperrte sich nicht mehr gegen den Eid. In einem im August 1938 veröffentlichten Rundschreiben von NSDAP-Reichsleiter Martin Bormann (1900-1945) an alle Gauleiter wurde erklärt, der "Führer" sei an diesem "innerkirchlichen" Eid nicht interessiert. Im Rheinland verweigerten ihn 184 von 800 Pfarrern. Trotz des Bormann-Rundschreibens verlangte das Konsistorium bis 1945 von allen den Theologinnen und Theologen den Eid, die ein "legales" Pfarramt erstrebten oder die in ein neues Pfarramt wechseln wollten.
"Zerstörte Kirchen"
Im Unterschied zu den "intakten" Landeskirchen, wie Bayern und Württemberg, die Kirchen, vor allem die Ev. Kirche der ApU, in denen die DC aufgrund der Kirchenwahl vom 23.7.1933 die Leitungsämter gewonnen und die BK Notkirchenleitungen geschaffen hatten.
Zwei-Reiche-Lehre
Ursprünglich die Lehre, nach der Gott die Wirklichkeit in unterschiedlicher Weise regiert: das geistliche Reich durch die Predigt des Evangeliums, das weltliche durch das Gesetz. In diesem Reich bewahrt er durch Obrigkeit und Recht das Leben des Menschen vor der Selbstzerstörung. In späterer, auch theologischer Fehlinterpretation setzte sich die Auffassung durch, die Obrigkeit sei mit ihrer Gesetzgebung autonom und die Kirche dürfe sich nicht in die "weltlichen Dinge" einmischen. Die Barmer Theologische Erklärung widersprach dieser Irrlehre.
Impressum