Pressestimmen

„Geschichten über gelebten Mut, die sich gewaltig unterscheiden vom ebenso allgegenwärtigen wie drögen Dozieren vieler Politiker über    'Zivilcourage'. Denn nichts kann den zündenden Funken eher überspringen lassen, nichts kann so ermutigen, wie ein kraftvolles Vorbild."

Welt am Sonntag, 16.4.2006


„Insgesamt 17 Autorinnen und Autoren machen in den mit Gestapo-Akten, Briefen und Erinnerungen von Freunden und Verwandten angereicherten Lebensbeschreibungen klar, dass es nicht nur direkt der Kirche nahe stehenden , also von ihr beschäftigte, Menschen waren, die für ihre Überzeugungen mit allen Konsequenzen einstanden. Es gab auch mutige 'zivile' Gemeindeglieder sowie Christen und Christinnen jüdischer Herkunft..."

Bonner General-Anzeiger 27.5.2006


„Der rheinische Präses Nikolaus Schneider würdigte den Band als Zeichen des Respekts gegenüber Opfern und Überlebenden. 60 Jahre nach der NS-Diktatur sei die Zeit nun reif, auch einen Blick auf die zahlreichen, zum Teil noch unbekannten Christen zu werfen, die öffentlich gegen das Unrecht protestierten.

Sonntagsgruß (epd), 7.5.2006


"Der Präses betonte besonders die Würdigung der verfolgten Christen jüdischer Herkunft. Ihnen räume das Geschichtsbuch ein eigenes Kapitel ein und zeige exemplarisch das Versagen der Kirche im "Dritten Reich", Das kirchliche Versagen müsse aber auch als Lernprozess begriffen werden, der zur Bewältigung der Gegenwart beitragen könne."

Rolf Stegemann, epd, 26.4.2006


„Bleibt die Frage: Warum erscheint dieses Buch erst mehr als 60 Jahre nach 1945? Sicher waren Vorarbeiten nötig. Aber da gab es auch die Scham - sicher nicht die der Mittäter, sondern die Scham derer, die sich widersetzt hatten: Hatten sie richtig gehandelt und wirklich genug getan? Wie standen sie vor den anderen da, die geschwiegen oder weggesehen hatten? Und es bedurfte der 'Erfahrung der Wüste' - räumlicher und zeitlicher Distanz zu den Ereignissen."

Manfred Hubert, Erzbistum Köln, 28.4.2006

 „Das Kapitel über die Drangsale, denen Christinnen und Christen jüdischer Herkunft nicht allein durch die Nazi-Schergen, sondern auch in der eigenen Kirche ausgesetzt waren, beleuchtet einen bislang vernachlässigten Aspekt der kirchengeschichtlichen Rückbesinnung... Aufschlussreich sind zudem die einordnenden Essays. Sie zeigen auf, was Herausgeber Günther van Norden ,die Katastrophe des real existierenden Christentums in dieser Zeit' nennt."

Hajo Goertz, in: Zeitzeichen, August 2006, S. 67/68

„Endlich - könnte man sagen - werden die bekannt gemacht oder wird an die wieder erinnert, die immer im Schatten berühmter und großer Namen standen (Niemöller, Bonhoeffer) und von denen man deshalb kaum Notiz nahm. Die Judenchristen, die 'illegalen' Vikarinnen und Pfarrer, engagierte Gemeindeglieder, 'legale' BK-Pfarrer - 63 einzelne Porträts führen noch einmal zurück in die Zeit, in der besagter Mut gefragt war und in der so viel gelitten wurde...

Man kann sich nur wünschen, dass durch dieses Buch die dort genannten ,kleinen Leute' so bekannt werden wie die großen."

Enno Obendiek, in: Deutsches Pfarrerblatt, Juli 2006, S. 374

„Das Lesen dieser Biogramme, gerade in ihrer lakonischen Kürze, ist eine ausgesprochen spannende, beeindruckende und immer wieder auch beklemmende Lektüre... In seiner Einleitung zitiert Günther van Norden ein jüdisches Sprichwort aus dem 16. Jahrhundert: ,Das Vergessen verlängert das Exil. Die Erinnerung aber ist das Geheimnis der Befreiung und die Quelle der Erlösung.' Es ist sicher nicht zu hoch gegriffen, in diesem Sinne von einem echten Erinnerungsbuch zu sprechen."

Friedrich Grotjahn, in: Transparent - Zeitschrift für die kritische Masse in der Rheinische Kirche Nr. 81, Juli 2006

Rezensionen

Rezension: Transparent - Zeitschrift für die kritische Masse in der Rheinische Kirche Nr. 81 Juli 2006

von Friedrich Grotjahn, Bochum

Ein Erinnerungsbuch

Sie schwammen gegen den Strom. Widersetzlichkeit und Verfolgung rheinischer Protestanten im „Dritten Reich“. Herausgegeben von Günther van Norden und Klaus Schmidt. 253 Seiten. Greven Verlag Köln o.J. (2006)

„Die nun folgenden Geschehnisse tragen die klassischen Facetten eines Dramas, in dem Zivilcourage und Beistand, Intrige, Lügen, Verrat, Verlassenheit, Not und schließlich gerade noch eben eine glückliche Rettung vorkommen.“ So leitet die Wuppertaler Historikerin Sigrid Leckebusch ihren Beitrag über den Kölner Kirchenmusiker jüdischer Herkunft, Julio Goslar, ein. Das könnte über einem großen Teil der „Biogramme“ (Lebensabläufe) dieses Buchs stehen. Nur, eine „glückliche Rettung“ hat es durchaus nicht immer gegeben.

Entstanden ist das Buch aus dem Bewusstsein eines Mangels heraus: Zwar hat die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland schon vor Jahr und Tag das Handeln der Kirchenleitung in der Nazizeit aufarbeiten lassen, hat Verantwortliche genannt, Benachteiligte gewürdigt, doch blieben dabei all die unberücksichtigt, die nicht als TheologInnen in den konsistorialen Personalakten geführt wurden.

Das nun vorliegende Buch, so der rheinische Präses Nikolaus Schneider in seinem Vorwort, stellt „eine notwendige Fortführung der oben genannten Arbeit“ dar.

Diese Fortführung wurde wesentlich von Mitgliedern der „Solidarischen Kirche im Rheinland“ als Aufgabe verstanden. Im Haus des Historikers Günther van Norden in Bonn fand sich eine Arbeitsgruppe zusammen, die das Werk in Angriff nahm. In diesem „Gemeinschaftswerk“ von insgesamt 17 HistorikerInnen, TheologInnen und weiteren kirchlich Engagierten wird an die Widersetzlichkeit und Verfolgung von 65 rheinischen ChristInnen erinnert, die bei der landeskirchlichen Aufarbeitung unberücksichtigt geblieben waren.

Das Buch beinhaltet vier große Kapitel.

Im ersten geht es um ChristInnen jüdischer Herkunft, um Diakonissen, Lehrer, Kirchenmusiker, Pfarrer, Juristen, die wegen ihrer Herkunft systematisch aus der Gemeinde und der Kirche ausgegrenzt wurden. Zu ihnen gehört die Religionspädagogin der Bekennenden Kirche, Ilse Peters.

Das zweite Kapitel erinnert an die „illegalen“ TheologInnen. Als „illegal“ wurden von der nazifizierten Kirchenleitung wie auch von politischen Stellen diejenigen bezeichnet, die sich der „Bekennenden Kirche“ angeschlossen hatten und deshalb keine landeskirchliche Anstellung bekamen. Zu ihnen gehören die „vier Kölner Vikarinnen“, sowie auch die heute 93 Jahre alte Ilse Härter, die aktiv an diesem Buch mitgearbeitet hat.

Im dritten Kapitel werden „engagierte Gemeindeglieder“ aufgeführt. Ihre systematische Erfassung hat überhaupt erst in jüngster Zeit begonnen. Hier finden sich Hausfrauen, Lehrer, Fabrikanten und vor allem auch Juristen, die sich für verfolgte ChristInnen eingesetzt hatten. Auch eines Hauses wird gedacht, der Villa Halstenbach in Wuppertal, die zu einem Zufluchtsort für die Bekennende Kirche wurde.

Das vierte Kapitel schließlich versammelt „legale Pfarrer“. Sie kamen fast alle aus einem konservativen Umfeld und waren von daher durchaus aufgeschlossen für die „nationalsozialistische Erneuerung“, bis sie erkannten, dass da Dinge geschahen, denen sie widersprechen mussten. Einer von ihnen ist Paul Schneider, der 1939 im Konzentrationslager Buchenwald umgebracht wurde.

Auf die Gesamtlage der Kirche und ihrer Leitungen während der Nazizeit und in den Jahren danach, insbesondere auf die merkwürdig schillernde Politik der Bekennenden Kirche, geht Günther van Norden in seinem allgemeinen Vorwort, auf noch ausstehende Aufgaben der Kölner Theologe und Historiker Klaus Schmidt in seinem Nachwort ein. Bereichert wird das Ganze durch ein Verzeichnis wichtiger Begriffe und Namen, von „Arierparagraph“ bis „Zwei-Reiche-Lehre“ und einer Zusamenstellung häufig benutzter Literatur.

Wie soll man sich einem solchen Buch nähern?

Man kann, ausgehend von seinem Aufbau, die Einleitung zu einem der vier Kapitel lesen und sich von da aus mit den jeweiligen Einzelschicksalen befassen. Man kann im Inhaltsverzeichnis oder im Personenregister nach Namen suchen, die einem etwas sagen, dort anfangen und sich dann den jeweiligen „Nachbarn“ zuwenden. Man kann schließlich, wenn man denn im Bereich der rheinischen Kirche wohnt, von Wohnorten, dem eigenen etwa, ausgehen: Was war damals eigentlich in Wuppertal dran?

Ich bin das Buch zunächst systematisch angegangen, habe mich dann aber dabei ertappt, dass ich mich irgendwo festgelesen, dann quer geblättert habe und in einem ganz anderen Kapitel gelandet bin. Und jeweils kostete es mich Mühe, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Das Lesen dieser Biogramme, gerade in ihrer lakonischen Kürze, ist eine ausgesprochen spannende, beeindruckende und immer wieder auch beklemmende Lektüre.

Da es unmöglich ist, die 65 angesprochenen Schicksale im Einzelnen zu würdigen, möchte ich an dieser Stelle nur drei Zitate bringen, die die Situation von damals beleuchten: Im Gestapoprotokoll einer Vernehmung des Düsseldorfer Pfarrers Gottfried Hötzel steht zu lesen: „Im übrigen schwimmen nur tote Fische mit dem Strom, die lebendigen aber gegen den Strom. Er – Hötzel – wolle jedenfalls kein toter Fisch sein.“

Dem „illegalen“ Vikar Eduard Hesse, angezeigt wegen einer Predigtreihe über den Propheten Elia, wurde gerichtlich bescheinigt: „Die Predigten sind 1. textgemäß, 2. schriftgemäß, 3. bekenntnisgemäß und 4. verständlich für das Volk. Deshalb ist der Prediger gefährlich und muss bestraft werden.“

Und der Göttinger Theologieprofessor Emanuel Hirsch wertete den Pfarrer jüdischer Herkunft Peter Katz in einem Entlastungsgutachten so: Katz sei zwar als „Volljude mit vielen Merkmalen seiner Rasse“ belastet, doch in der „unsympathischen Haut“ sitze doch „ein rechter Kerl“. Schließlich habe Katz seit 1918 eine „nationale Kampfeshaltung im Deutschen Sinne eingenommen“.

In seiner Einleitung zitiert Günther van Norden ein jüdisches Sprichwort aus dem 16. Jahrhundert: „Das Vergessen verlängert das Exil. Die Erinnerung aber ist das Geheimnis der Befreiung und die Quelle der Erlösung.“ Es ist sicher nicht zu hoch gegriffen, in diesem Sinne von einem echten Erinnerungsbuch zu sprechen, auch wenn es erst 60 Jahre nach dem Ende des „Dritten Reichs“ geschrieben worden ist.

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